KZ - Mahnwache

 

Detaillierte Infos zu unserer Mahnwache vor dem Dachauer Konzentrationslager am 19.02.2006 sind unter folgenden Links abrufbar:

http://vegan-central.de/foren/forum_entry.php?id=22792

http://tierrechteportal.de/Blickpunkt/frames.php?url=VorOrt.html&stelle=Dachau

http://tierrechteportal.de/Blickpunkt/frames.php?url=VorOrt.html&stelle=GedankenDachau

 

Bildquelle: ww.vgt.at

 

Durch einen reinen Zufall habe ich Anfang April in einer privaten Mail von einer angeblichen Sprüh-Aktion an der KZ-Außenmauer erfahren. Zunächst dachte ich, mein E-Mail-Kontakt habe unsere Mahnwache vom 19.02.2006 falsch verstanden oder es sei etwas falsch dargestellt worden. Dass unsere Mahnwache mit der KZ-Schmiererei nichts zu tun hat, erfuhr ich dank der Süddeutschen Zeitung / Dachau, die mir auf meine Nachfrage bezüglich solch einer Aktion prompt anwortete:

 

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Sehr geehrte Frau Schreiber,

bei uns konnten Sie in der Ausgabe vom 6. März 2006 lesen:

Graffiti-Schmierereien an der KZ-Gedänkstätte

Dachau - In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben unbekannte Täter an der Außenmauer der KZ-Gedenkstätte Graffiti-Schmierereien angebracht, teilte die Polizei mit. Mit orangener Farbe hätten sie in Großbuchstaben an die Wand gesprüht: „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka.“ Die Polizei vermutet, dass militante Tierschützer für die Tat verantwortlich sind. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung seien aufgenommen worden. Der Schaden wird auf 500 Euro geschätzt. Die Schmierereien seien am Sonntagmorgen sofort beseitigt worden.

(bi)

Mit besten Grüßen!

Süddeutsche Zeitung
Dachauer SZ
Redaktion und Geschäftsstelle
Tel. 08131/5685-0
Fax 08131/5685-80

 

006

 

Aufgrund dieser Aktion sah ich mich gezwungen, umgehend eine Pressemitteilung zu versenden, weil wir mit solch einer sinnlosen Aktion nichts zu tun haben (wollen). Neben der Pressemitteilung, schrieb ich parallel dazu an die Verwaltung des Dachauer KZ´s, um auch dort klarzustellen, dass die „Tierfreunde Dachau“ niemals auf solch sinnlose Weise vorgehen würden!

Den Schriftverkehr zu diesem Vorfall finden Sie unter den nachfolgenden Links:

 

006

 

Mein Schreiben an die KZ-Verwaltung bzw. die Pressemitteilung an die örtlichen Zeitungen und Behörden

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte sehen Sie mir die verspätete Reaktion auf die Schmierereien an den Wänden der Dachauer Gedenkstätte nach - ich habe vor wenigen Tagen durch einen reinen Zufall in einer privaten Mail von dieser Aktion erfahren. Zunächst bin ich davon ausgegangen, dass hier jemand unsere zweistündige Mahnwache mit zwei Personen am Nachmittag des 19.02.2006 falsch aufgefasst oder falsch übermittelt bekommen hat.

Dank Mitteilung der Süddeutschen Zeitung (Dachau) habe ich nun also erfahren, dass tatsächlich Unbekannte die Außenwände des KZ mit dem Spruch "Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka" (zitiert nach Isaac Bashevis Singer) besprüht hat.

Die Tierfreunde Dachau bedauern diesen Vorfall zutiefst und verurteilen diese Aktion auf das Schärfste. Niemandem ist mit derlei Sachbeschädigung gedient. Wer uns kennt, weiß, dass wir deutliche Aktionen bevorzugen, sprich: Info-Stände, Aufklärungsarbeit via Internet oder im persönlichen Gespräch, Demonstrationen bzw. Flugblatt-Verteilung, Mahnwachen usw. Auch scheuen wir in der Tat nicht den Vergleich zwischen den damaligen Verbrechensstätten gegenüber denen der Gegenwart, zumal die frühen Schlachthäuser als Modelle für die späteren Tötungsmaschinerien der Nazis galten (Buch: "Treblinka", Autor: Charles Patterson). Über diese Einstellung mag man geteilter Meinung sein. Nichtsdestotrotz liegt uns allen eine derartige, überaus feige Aktion fern!

Da wir erst sehr spät von diesem Vorfall Kenntnis erhalten haben, konnten wir nicht früher Stellung beziehen. Wir gehen davon aus, dass diese Aktion mitnichten von "militanten Tierschützern" ausgeführt wurde, sondern von Leuten, die gezielt darauf hinarbeiten, uns in Verruf zu bringen. Ich bitte Sie jedoch inständig, mir zu glauben, dass wir niemals auch nur im Entferntesten in Erwägung ziehen würden, die Gedenkstätte zu besudeln. Diese Aktion ist absolut kontraproduktiv und ändert an den gegenwärtigen Greueltaten an unseren Mitgeschöpfen nicht das Geringste.

Im Anhang unsere Pressemitteilung, die umgehend nach Erhalt der Nachricht über die Sachbeschädigung an die Süddeutsche Zeitung gemailt wurde. Wir hoffen sehr, dass diese zur Klarstellung den Lesern zugänglich gemacht wird, da diese Aktion auch unserer Arbeit sehr schaden kann - zumal unser ganzes Engagement rein privat (d. h. ohne öffentliche Fördermittel oder Ähnliches) erbracht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Sabrina Schreiber

Sprecherin der Tierfreunde Dachau
Mitarbeiterin / Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E.

Tierversuchsgegner-Dachau@web.de

http://www.tierfreunde-dachau.de
http://www.tierrechteportal.de

Fax: 01212-5-742-35-032


"Warum ich nicht Brüder esse - einfach aus Familiensinn, das ist alles. Irgendwo muss Scham beginnen."

O.W. Fischer (1915-2004; Privatgelehrter)





PRESSEMITTEILUNG



Vor wenigen Tagen haben wir durch Zufall Mitteilung bezüglich der Graffiti-Sprühereien an den Mauern der KZ-Gedenkstätte erhalten. Wir, die "Tierfreunde Dachau", distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Tätern.

Derlei Handeln ist absolut kontraproduktiv und dient keinem! Vielmehr gehen wir davon aus, dass uns Unbekannte schaden möchten, zumal es in Dachau bislang nur eine kleine Tierrechtsszene gibt. Unter unseren Aktivisten gibt es niemanden, der solche Sachbeschädigung gutheißen würde!

Auch wenn wir nicht davor zurückscheuen, den KZ-Vergleich in Bezug auf die damaligen Tötungseinrichtungen und die heutigen Einrichtungen anzuwenden (Massentierhaltung, Forschungslabore, Pelzfarmen, usw.), so liegt uns nichts ferner, als feige die Wände einer Gedenkstätte zu beschmieren.

Wir gehen daher weniger von "militanten" Tierschützern aus (was uns gerne unterstellt wird, wir nennen unser Handeln vielmehr konsequent), sondern vielmehr von uns feindlich gesinnten, eventuell sogar in der rechten Ecke anzusiedelnden, Randalierern.

Wir hoffen, dass die Schuldigen gefunden werden und verurteilen diese sinnlose Schmiererei auf´s Schärfste! Die Kopie dieser Pressemitteilung erhält die Polizei-Inspektion Dachau mit der Bitte um Kenntnisnahme.

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Antwort von Peter Koch, Bildungsabteilung KZ-Gedenkstätte Dachau

Sehr geehrte Frau Schreiber,

Ihr Anliegen und Engagement, für den Schutz von Tieren einzutreten und dies auch durch vielfache Protestformen zu unterstreichen, ist sicher anerkennenswert. Auch dass Sie sich von der Beschmierung der Gedenkstättenmauer distanzieren, ist erfreulich.

Unverständlich ist aber der direkte Vergleich zwischen der industriellen Massentötung / Ermordung von Menschen, wie dies in der NS-Diktatur von Staatsseite durchgeführt wurde, und der Tötung von Tieren, Massentierhaltung, Tierversuche usw. heute. Schlachthäuser mit Gaskammern zu vergleichen ist nicht nur, wie Sie schreiben, eine Sache über die man geteilter Meinung sein kann, sondern ist inaktzeptabel, da es eine Relativierung der NS-Verbrechen darstellt. Sie benutzen hier das Leiden der Häftlinge der Konzentrationslager, den Massenmord und die Massenverbrechen, um Ihrem durchaus berechtigten Anliegen mehr Gewicht zu verleihen. Diese Art der Instrumentalisierung der Opfer der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik für politisches Tagesgeschäft ist respekt-, instinktlos und völlig deplaziert. Es ist eine Verharmlosung der NS-Verbrechen, die den Opfern durch die Gleichsetzung mit Tieren ihre Menschenwürde, die Ihnen bereits von den Verfolgern genommen worden war, nochmals in Abrede stellt. Ich hoffe, dass Sie dies bei Ihren weiteren Aktionen in Betracht ziehen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Koch Bildungsabteilung

KZ Gedenkstätte Dachau
Bereich Bildung
Alte Römer Str. 75
85221 Dachau

Tel: ++49 (0)8131-66997-134
Fax: ++49(0)8131-2235
www.kz-gedenkstaette-dachau.de

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Meine Antwort an Herrn Peter Koch, KZ-Gedenkstätte

Sehr geehrter Herr Koch,

vielen lieben Dank für Ihre Nachricht. Mir war sehr wichtig, dass unsere Distanzierung auf jeden Fall Gehör findet, zumal wir so spät und völlig überraschend von dem Vorfall erfahren haben. Im ersten Moment haben wir diese Nachricht ja für einen makaberen Scherz gehalten... Wie oft täuscht man sich...

Zu Ihren weiteren Worten möchte ich Ihnen gerne noch antworten, da Ihre Aussage bzw. Ihr Urteil über uns in klarem Widerspruch mit unseren Beweggründen steht. Ich akzeptiere Ihre Einstellung, was die Abneigung in Bezug auf die Verwendung des Begriffes "Holocaust" in Sachen Tierschutz angeht. Dennoch muss ich klarstellen, dass die Aussage, wir würden damit die Verbrechen der Nazis relativieren, nicht zutrifft. Uns wird diese "Relativierung" gern unterstellt, aber auch nach der zigsten Wiederholung entspricht dies nicht den Tatsachen.

Wie Sie sicher wissen, hat schon der berühmte Prof. Grzimek (der ja bei weitem kein Tierrechtler war) vor vielen Jahren den Begriff "KZ" im Vergleich mit den Käfigbatterien angewendet. Wenn ich nun daran denke, dass jährlich ca. 40 Millionen Küken wegen Überproduktion bzw. falschem Geschlecht bei lebendigem Leibe vergast oder zerschreddert werden (!), sehe ich keinen Anlass, die Verwendung dieses Begriffs zu verurteilen.

Wir sehen uns als Gegner des Speziezismus, das heißt, dass wir jegliche Form der Ausbeutung oder Erniedrigung eines Lebewesens ablehnen - gleich, ob menschliches oder nichtmenschliches Tier, ob schwarz oder weiß, ob weiblich oder männlich, ob gesund oder krank, usw. Viele denken bei der Verwendung des Begriffes "Holocaust" leider nur an die Verbrechen des Nazi-Regimes am jüdischen Volk. Doch wurden nicht nur Juden, sondern auch strenggläubige Christen / Zeugen Jehovas, Vegetarier, Sinti, Roma, Behinderte, usw. auf unmenschlichste Weise ermordet.


Wikipedia sagt folgendes:

(...)
Das Wort Holocaust stammt vom griechischen holókaustos ab und bedeutet „vollständig verbrannt". Dies bezog sich auf die in der Antike verbreitete religiöse Praxis der Verbrennung von Tieren als Opfer. Dafür verwendete es erstmals der Historiker Xenophon, dann auch die griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel, die so genannte Septuaginta. Über die lateinische Bibelübersetzung der Vulgata drang holocaustum in den englischen Sprachschatz ein, nicht aber in den deutschen, da Martin Luther den Ausdruck mit Brandopfer übersetzte.

(...)
Insofern ist es also nichts Erschreckendes - oder wie Sie schreiben: respekt- und instinktlos - wenn man sich dieser Wortwahl bedient. Wir "vergleichen" nicht die Leiden der im Dritten Reich ermordeten Menschen mit denen der Gegenwart. Wie sollte man ein Leid mit dem des anderen vergleichen können, ohne sich in diesen hineinversetzen zu können? Wer leidet mehr - das vergewaltigte Kind oder die vergewaltigte Frau? Wer leidet mehr - der zum Sklaven verurteilte Afrikaner oder die vor nicht allzu langer Zeit noch völlig rechtlose Frau? Jedes Unrecht ist abscheulich und muss verhindert werden. MEIN Instinkt sagt mir, dass es falsch, falsch, falsch ist, ein Lebewesen zu töten, zu essen, einzusperren, zu missbrauchen, usw.

Nur, weil wir dieselbe Abscheu bei Bildern von Müttern im Dritten Reich, denen die Kinder gestohlen wurden, empfinden wie bei denen, die eine Mutterkuh zeigen, die nach ihrem Kälbchen schreit, das ihr gestohlen wurde (weil es in der Milchindustrie als "Abfallprodukt" gilt), sind wir nicht respektlos, im Gegenteil. Wie Charles Patterson in seinem hervorragend recherchierten Buch "Treblinka - Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens" schon beschreibt, standen die Schlachthäuser Modell für die späteren Konzentrationslager. Es mag Sie überraschen, dass in diesem Buch vor allem der Wahnsinn des Dritten Reiches beschrieben wird - und das so eindringlich, Herr Koch, dass ich bei fast jeder Seite den Blick von den Buchstaben abwenden musste, weil sich mir die Bilder so sehr aufdrängten. Zu lesen, wie man sich die Eugenik zunutze machte, um "wertloses Leben" zu vernichten... Wer legt fest, was wertvoller ist? Eigentlich immer nur der Mensch, obwohl wir - mit all unserem Hass, all unserer Zerstörungs- und Eroberungswut (oder soll ich besser von Erniedrigunswut sprechen?...) - zuletzt auf diese Erde gekommen sind.

Vielleicht würden Sie unsere Beweggründe und unsere Scheulosigkeit in Bezug auf die Anwendung des Begriffes Holocaust mehr verstehen, wenn Sie die Bilder gesehen hätten, die uns tagtäglich nahezu jede Kraft rauben. Bilder aus Versuchslaboren, Bilder aus Massentierhaltung, gehäutete Tiere, die für die Eitelkeit ermordet wurden, aus reiner Lust gequälte Mitgeschöpfe, usw. Ich rede nicht von zufälligen Bildern, die man alle Monate in einer mehr oder weniger guten Reportage einer viel zu spät gesendeten Dokumentation sieht. Ich rede von den Bildern, die sich Tag für Tag, Stunde um Stunde, Sekunde für Sekunde abspielen und von denen so viele nichts wissen möchten... Jetzt, in diesem Moment, schreien die Opfer der Pharma- und Lebensmittelindustrie vor Schmerzen in ihren Käfigen, können sich Mitgeschöpfe nicht einmal umdrehen, weil sie eingepfercht sind, liegen von Natur aus hochreinliche und hochintelligente Lebewesen in ihren Fäkalien, weil der Mensch sie zu dem macht, was er in ihnen sehen möchte.

Wenn ich auf der Autobahn einem Todestransport (Schlachttransporter) begegne, bin ich erschüttert. Nur, weil ich das Glück habe, in einem menschlichen Körper geboren zu sein, darf ich mir das Recht nehmen, zu meinem Partner nach Hause zu fahren, mich in eine gemütliche Ecke zu setzen, mich auszutauschen, wahrgenommen zu werden. Die Opfer, die in dem - den Blicken der Öffentlichkeit nur durch schmale Ritze zugänglichen - Schlachttransporter hin und her geworfen werden, nachdem sie hineingeprügelt wurden (weil sie vor lauter Mast und mangelnder Bewegung kaum die Kraft zu Laufen haben) - sie werden kein Morgen mehr erleben. Sie werden wieder aus dem Transporter geprügelt, riechen Blut, sehen, wie ihre Leidensgenossen getötet werden.

In einer Sendung auf Pro7 vor nicht allzu langer Zeit wurde erwähnt, dass Schlachttiere beim Eintreiben in den Schlachthof oft zur Beruhigung von Wasser berieselt werden... Es gab eine Zeit, da hat man Menschen durch Berieselung auch vorgegaukelt, dass es nur in die Dusche ginge...

Vielleicht werden Sie nach wie vor nicht verstehen oder verstehen wollen, warum wir der Meinung sind, dass der Begriff Holocaust sogar angewandt werden muss. Ich bin gerne bereit, Ihnen das Buch von Charles Patterson zu schenken, weil es auch einen geschichtlichen Wert hat. Wenn Sie dieses Geschenk von mir annehmen möchten, teilen Sie mir dies bitte kurz mit - es ist völlig unverbindlich.

Aber vielleicht kommt Ihnen beim nächsten Einkauf doch einmal der Gedanke, wie sehr das Stück Fleisch in der Auslage gelitten haben muss - nur weil Menschen festgelegt haben, dass gewisse Lebensformen gequält und geschlachtet, andere wiederum geliebt und verhätschelt werden dürfen. Vielleicht treibt es Ihnen doch irgendwann einmal die Tränen in die Augen, wenn Sie an einem Todestransport vorbei fahren und einen Blick in hoffnungslose Augen unschuldiger Mitgeschöpfe erhaschen... Vom Schwein trennen uns genetisch nur 4 - 6 %. Wo fängt der Brudermord an?

Wir verharmlosen die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht, im Gegenteil - wir zeigen nur auf, dass die Tötungsmaschinerei sich verfeinert, perfektioniert hat und dass in ungeahntem Ausmaß die Menschen heute mehr denn je behaupten, von all dem nichts zu wissen (oder wissen zu wollen)... Solange es Unrecht auf dieser Welt gibt - verübt an menschlichem oder unmenschlichem Leben - muss dagegen aufbegehrt werden, denn nur das macht uns zu Menschen.

Eine schon vor längerer Zeit verfasste Stellungnahme zu PETA´s Holocaust-Kampagne ist auch hier hinterlegt - wir stehen nach wie vor dazu:

http://tierfreunde-dachau.de/html/stellungnahme_zu_petas__kampag.htm

Mit freundlichen Grüßen

Sabrina Schreiber

Sprecherin der Tierfreunde Dachau
Mitarbeiterin / Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E.

Tierversuchsgegner-Dachau@web.de

http://www.tierfreunde-dachau.de
http://www.tierrechteportal.de

Fax: 01212-5-742-35-032


"Warum ich nicht Brüder esse - einfach aus Familiensinn, das ist alles. Irgendwo muss Scham beginnen."

O.W. Fischer (1915-2004; Privatgelehrter)

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Schreiben von Penelope (vegan lebende Griechin, Wirtschaftswissenschaftlerin) an Herrn Koch

Sehr geehrter Herr Koch,

ich bin Kind Griechischer Flüchtlinge, und zwar wurden meine Eltern als Waisen mit 12 Jahren in Griechenland in verschiedenen „Vertriebenenlager“ aufgefangen und hin und her geschmissen, wie es so üblich ist, bei jedem Flüchtling in jedem Land.

1920 haben die Türken ca. 3 000 000 Millionen Griechen und Armenier geschlachtet, vergewaltigt, enteignet usw. Sie wissen bestimmt, wie das ist, nur leider wird dies Verbrechen nicht anerkannt. Aber seien wir mal ehrlich, welches Volk kann mit gutem Gewissen sagen, es hat „saubere Hände“? Die ganzen Kolonien in Afrika, Südamerika, Amerika...

Wenn ich etwas habe, dann Respekt und Mitgefühl für jeden, dem Ungerechtigkeit widerfahren ist, ob es Deutschen, Juden, Zigeuner oder Tiere sind! Jedem, dem etwas widerfährt, das nicht von der Schöpfung vorgesehen ist und nicht im Sinne der Nächstenliebe geschieht!

Leider ist es aber so, als ob die meisten jüdischen Menschen das Anrecht auf das größte Leid, das jemals existiert hat, gepachtet bzw. „geschützt“ haben und allen anderen verbieten, alle damit verbundenen Wörter in den Mund zu nehmen. Was gibt es denn da zu „relativieren“? Die Fakten über das NS Verbrechen können nicht relativiert werden, weil es so schrecklich ist, dass einem die Luft weg bleibt! Was meinen Sie, als wir das im Gymnasium durchgenommen und die ganzen DETAILS gelesen haben, die Aussagen der Überlebenden, wie viele Tage ich nichts mehr essen konnte?

So etwas schreckliches wie den Holocaust, das ist einfach unvorstellbar. Dass Menschen zu so etwas fähig sind, das ist unvorstellbar. Ebenso ist es unvorstellbar, dass Eltern ihre Kinder quälen und vergewaltigen, heute, in unserem und in den meisten hoch entwickelten Ländern. Aber wenn sie verneinen, dass Tiere heutzutage das Gleiche erleiden müssen, was man damals unter anderem (!) (es wurden auch einige von meinen Verwandten deportiert, aus Griechenland) den Juden angetan hat, dann doch nur, weil für Sie Tiere nicht gleichwertig sind, gleichwertig in Ihrem Recht auf Respekt, Freiheit, gleichwertig in ihrem Leidensvermögen. Wie würden Sie dies sonst nennen, wenn Millionen Lebewesen, die unschuldig sind und gutgläubig, sich nicht wehren können, aber doch vom gleichen Gott erschaffen wurden – bestimmt nicht, damit sie eingesperrt, angelogen, qualvoll getötet werden, nicht mal die Liebe ihrer Mutter spüren dürfen…

So lange die Menschen GRAUENVOLLES um sich dulden, auch wenn es um andere Spezies geht, so lange bleibt die Tür offen für weitere „Hitlers“. Sie wollen mir nicht erzählen, dass er so weit gekommen wäre, wenn die Bevölkerung nicht beide Augen zugedrückt hätte? Legen Sie Ihre Hand ins Feuer, dass heute nicht die gleiche „Kopf-in-den-Sand-stecken“-Mentalität herrscht? Oder „Hauptsache-das-Unglück-trifft-nicht-mich“-Mentalität?

In diesem Sinne – ich bin „Schützer“ vor Allem, auch Tierschützer (obwohl es wie ein Schimpfwort benutzt wird von manchen. Und das kann ich echt nicht verstehen, denn was ist daran so schlimm, wenn man jemanden schützt). Und es werden Leute wie ich sein, die Ihren Mund als erstes aufmachen werden, wenn der nächste Hitler auftaucht, und sich gegen ihn auflehnen.

In diesem Sinne, in der Hoffnung dass Sie auch für eine bessere Welt kämpfen und vielleicht doch mal in ihrem weiteren Vorgehen berücksichtigen, dass Sie TÄGLICH das gleiche Verbrechen geschehen lassen, gegen das Sie eigentlich kämpfen.

Mit freundlichen Grüßen

Penelope Georgiadou
39, w, Griechin, V, Wirtschaftswissenschaftlerin, und vor allem Schützerin.

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Schreiben von Diana Hartig an Herrn Koch

Sehr geehrter Herr Koch,

Frau Schreiber leitete mir Ihr Schreiben und ihre Antwort darauf weiter. Ich kann mich Frau Schreibers Ausführungen nur anschließen – und zwar in vollem Umfang.

Ich möchte Sie darüber hinaus noch auf folgendes Buch aufmerksam machen, das Sie zur vorliegenden Thematik sicher interessant finden werden. Der Autor, Mr. Patterson, bezieht sich darin ausdrücklich auf Gespräche mit und die Erinnerungen von Menschen jüdischen Ursprungs, die die Konzentrationslager noch aus eigener Erfahrung kennen und durchaus, denke ich – mehr als Sie und ich in jedem Fall – in der Lage sind, die Parallelen zwischen dem jüdischen Holocaust und dem Umgang mit den Tieren heutzutage zu sehen.

Dieser Vergleich ist keineswegs aus der Luft gegriffen, und wenn sich diese Menschen, die unvorstellbares erlebt haben, dadurch nicht in ihrem Selbstrespekt beeinträchtigt fühlen, dann sollten Sie es – für sie – auch nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Diana Hartig
71717 Beilstein

http://www.zweitausendeins.de/suche/?ArticleFocus=1&ord=-1&cat=all&q=Patterson

 

Eternal Treblinka

Die Zivilisationskritik, die der Sozialhistoriker Charles Patterson in diesem Buch vorlegt, ist radikal und bedrückend. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Verhältnisses von Mensch und Tier. Patterson legt dar, dass die großen Schritte in diesem Verhältnis, Domestizierung von Haustieren, ihre Abrichtung zu willenlosen Arbeitssklaven, der allmähliche Übergang zu Massenzucht und Massentierhaltung, das industrielle Töten am Fließband in Schlachthoffabriken einer niemals unterbrochenen Linie und Logik folgen, einer Logik der stetigen Verrohung.

Ihren Kulminationspunkt erreicht diese Entwicklung im 20. Jahrhundert. Was wir nicht wahrnehmen und begreifen wollen: Es gibt einen direkten Weg, der von den gewaltigen Großschlachthöfen Chicagos Ende des 19. Jahrhundert zu den Vernichtungslagern der Nazis führt. Patterson zeigt, die Routinen des Genozids schreiben die Routinen des Massenmord an den Tieren fort. Die empathielose Rohheit, die unsere Zivilisation über Jahrtausende im Verhalten zu Tieren eingeübt hat, schlägt in Belzec, Maidanek, Hadamar, Sobibor und Treblinka auf die Zivilisation zurück und wendet sich nun gegen die Genossen der eigenen Gattung. Was in der Tierzucht erprobt war, kehrte im Rassenwahn der Eugenik zurück. In Eisenbahnwaggons, die für den Tiertransport gebaut worden waren, wurden die Juden in den Osten deportiert.

Der Stacheldraht wurde zuerst im wilden Westen um die großen Tierherden gezogen, bevor er zum Symbol für Konzentrationslager wurde. Die Baracken vom Typ "OKH 260/9", in die die Häftlinge in Auschwitz gepfercht wurden, war der Normtypus eines Pferdestalls. Ihren Vorbildern, den Schlachthöfen, gleichen die Konzentrationslager bis in Details. Patterson erklärt außerdem, "warum der Weg nach Auschwitz durch Amerika führte", an welchen US-Gesetzen sich die Nazis ein Beispiel nahmen, warum ein US-Forscher wissenschaftlicher Berater für das erste Gaskammer-Vernichtungsprogramm der Nazis wurde, wie Himmler vom Geflügelzüchter zum Menschenzüchter und -vernichter wurde u. a. Der Holocaust hat die Überlebenden und ihre Angehörigen sensibel gemacht für das Leid, das Menschen einander zufügen - aber auch für die Qualen, die tagtäglich Milliarden von Tierenerfahren.

Charles Patterson widmet sein Buch dem Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der den erschütternden Satz schrieb: "Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka". Charles Patterson: "Ich hoffe sehr, dass dieses Buch Menschen sensibilisiert für die Mentalität, die zum Holocaust geführt hat, und dass es dazu beiträgt, dass so etwas nie wieder geschieht. Ich hoffe auch, dass das Buch unserer Gesellschaft dabei helfen wird, die furchtbare Behandlung von Tieren zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen und unsere Arroganz gegenüber der Erde und all ihren Bewohnern zu erkennen. Ich wünsche mir, dass die Diskussion des Buches dazu beiträgt, das Ausmaß an menschlichem und tierischem Leiden in der Welt zu reduzieren."



PRESSESTIMMEN

Auf der Sachbuch-Bestenliste 2/2005

Eine zutiefst betroffen machende Untersuchung. Der des Antisemitismus unverdächtige Historiker und Psychotherapeut Charles Patterson hat eine fundierte und zutiefst betroffen machende Untersuchung vorgelegt, die detailliert belegt, dass der Weg nach Auschwitz mit dem Schlachthof begann … Patterson verfolgt, wie die abendländische Tradition zunehmend gegen Leid immunisierte, wozu die Attitüde der menschlichen Überlegenheit das Ihrige beitrug. Im Alten Testament und im hebräischen Denken beheimatet, vermisst Patterson Gefühle von Mitempfinden gegenüber der geschundenen Kreatur in Texten der griechisch-römischen Antike.

Rainer G. Appell, Allgemeine Homöopathische Zeitung, 1.12.2005



Aufschlussreich, aufrüttelnd, entsetzlich. Patterson ist "auf der Suche nach den geistigen und technischen Vorläufern und Impulsgebern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Er findet sie in der Sklaverei, in der Erniedrigung des Tieres und der anschließenden Erniedrigung des Menschen zum Tier; in den Schlachthöfen. Von diesen Orten zu lesen, von den Mord- und Schlachtungsmethoden, von den historischen Zusammenhängen, ihren Anfängen und ihrem Weiterbestehen, ist aufschlussreich, aufrüttelnd und einfach entsetzlich."

Frankfurter Rundschau, 9.3.2005



Massenmord an Tieren und Menschen. "Im Mittelpunkt seiner Zivilisationskritik steht das empathielose Verhältnis der Menschen gegenüber den Tieren. Patterson zufolge gab es einen direkten Weg von den Großschlachthöfen Chicagos über Fords Fließbandmethode in der Automobilproduktion bis zu den Vernichtungslagern in Belzec, Majdanek und Treblinka. Der routinierte Genozid an den Juden schreibe die Routine des Massenmords an den Tieren fort, lautet seine zentrale These."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.1.2005



Amerika schenkte uns den Schlachthof, Deutschland die Gaskammer. "Charles Patterson findet im System des industriellen Tötens die Brücke vom Schlachthaus zum Konzentrationslager ... Der Schriftsteller Isaac Bashevis Singer hat gesagt, dass für die Tiere jeden Tag Treblinka sei. Dass den Tieren gegenüber jeder Mensch ein Nazi sei. Der Geschichtsdozent und Psychotherapeut Charles Patterson hat ein Buch über die Ursprünge des industriellen Tötens geschrieben. Er behauptet, und er ist nicht der einzige, der das behauptet, dass ein gerader Weg von der Hölle der amerikanischen Schlachthöfe zu den deutschen Konzentrationslagern verläuft, so wie auch ein gerader Weg von den amerikanischen eugenischen Programmen zu den eugenischen Vorstellungen des Deutschen Kaiserreichs und dem Rassenwahn der Nationalsozialisten geht Amerika, schreibt Patterson, schenkte der Welt den Schlachthof, Deutschland schenkte der Welt die Gaskammern... [Pattersons Buch] ist jedem Fleischesser und Vegetarier zu empfehlen, vor allem den jüngeren. Denn es ist einfach und mit deutlichen Worten geschrieben, und es bündelt in These, Geschichte und Zitat Ungeheuerliches."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.1.2005



Die Mechanisierung des Tötens. "Nüchtern und mit enormer Detailfülle belegt der Historiker Chales Patterson, dass der Weg nach Auschwitz und Teblinka unter anderem über die Schlachthöfe von Chicago führte: Die Organisation der Vernichtungslager gründete direkt auf Erfahrungen, die amerikanische Tierzüchter und Fleischer mit der Industrialisierung des Tiertoes gemacht hatten ... Vor allem eine Parallele zwischen der massenhaften Tier- und Menschentötung arbeitet Patterson heraus: Die im System angelegte Distanzierung der Täter. Indem man das Vieh als eine Sache (und den Menschen wie Vieh) behandelt, die Abläufe arbeitsteilig und monoton organisiert und ihr Tempo so hoch hält, dass keine Zeit zur Reaktion auf Unvorhergesehenes bleibt, wird Mitgefühl im Ansatz verhindert. Ein ungemein verdienstvolles Buch."

Natur+Kosmos, 2/2005



Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Tiere führt zum Holocaust. "Ergänzt durch ein Zitat von Adorno: 'Auschwitz beginnt dort, wo einer im Schlachthof steht und denkt: Es sind ja nur Tiere'. Der Holocaust-Forscher, der bereits ein Buch über die Ursachen des Antisemitismus veröffentlicht hat, will natürlich nicht das Gedenken an die während der Shoa ermordeten Juden besudeln, indem er sie mit Tieren vergleicht. Seine zentrale These ist vielmehr: Gleichgültigkeit und Grausamkeit gegenüber Tieren münden in derselben Haltung gegenüber den Menschen. Ein Geistlicher könnte ergänzen: Gleichgültigkeit gegen seine Geschöpfe ist Gleichgültigkeit gegen Gott. Noch jede Zivilisation, die Krieg geführt hat, stellte den Gegner auf die Stufe von Tieren, gern noch darunter. Man kann und will dem jüdischen Autor in seinem Engagement nicht überall hin folgen. Aber er sieht und zieht Parallelen, die, ist der Blick erst einmal darauf gelenkt, so offensichtlich erscheinen, dass man nicht mehr wegsehen kann.

Nürnberger Nachrichten, 15.11.2004



Ausbeutung der Tiere ebnete den Weg zum Holocaust. "Gewalt erzeugt Gewalt, und so hat die Versklavung der Tiere zu einem größeren Maß an Herrschaft und Zwang in der menschlichen Geschichte geführt. Einmal institutionalisiert und als Bestandteil der natürlichen Ordnung akzeptiert, öffnete die Ausbeutung der Tiere die Tür zu einem ähnlichen Umgang mit Menschen und ebnete damit den Weg zu solchen Abscheulichkeiten wie der Sklaverei und dem Holocaust."

Frankfurter Neue Presse, 3.11.2004



Tierausbeutung und Menschenmord. "Mit erstaunlicher Materialvielfalt belegt Patterson die enge Verflechtung zwischen Tierausbeutung und Menschenvernichtung. In seinem geschichtlichen Abriss, der von der Domestizierung und Versklavung der Wildtiere über die vom Rassenwahn geleitete Tierzucht bis zur totalen Transformation einzigartiger Lebewesen zur standardisierten Ware reicht, die auf den High-Tech-Schlachtstraßen im Minutentakt vollzogen wird - Patterson zeigt, wie die Tierausbeutung immer wieder Modell für die Erniedrigung und massenhafte Ermordung von Menschen stand."

Tierbefreiung - das aktuelle Tierrechtsmagazin, 12/2004



Unfasslich. "Ein überfälliges Buch, dem man zahlreiche Leser wünscht, weil es die Wahrheit spricht: Was wir den nichtmenschlichen Tieren antun, ist bei Licht besehen monströs. Unsere Taten werden, sobald man aufgehört hat mitzumachen und die Sachlage quasi historisch betrachtet, zu etwas Unfasslichem."

Vegetarisch fit! 12/2004

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006

 

Abschließend ist zu sagen, dass Herr Koch sich leider nicht mehr gemeldet hat. Es ist eine Sache, falsche Beweggründe zu unterstellen und eine andere, auf die Richtigstellung einzugehen. Wir müssen daher davon ausgehen, dass Herr Koch nur daran interessiert war, seine falschen Vermutungen in Bezug auf unsere Intention bestätigt zu sehen. Ob er in seinen Vermutungen richtig liegt oder nicht, scheint für ihn keine Rolle zu spielen, weil sein Urteil über uns bereits vorab feststand.

Aber ist das nicht fast immer so?...

 

Bildquelle: ww.vgt.at